In meinen Augen ist das aber eine viel zu einfache Logik, die Logik eines “gerechten Sieges”, der sich rein über Gelände definiert und den menschlichen Preis der Soldaten außer Acht lässt. Die Rechnung, wie viel Land man gewinnen will (auch die Krim?), ist aber direkt mit Menschenleben verbunden, und auch wenn das in erster Linie eine Entscheidung der ukrainischen Regierung ist, muss man auch die Interessen der Menschen berücksichtigen, die diese Entscheidung im Feld ausfechten müssen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass alle Soldaten dort freiwillig sind. Jede*r, der weitere Kämpfe fordert, sollte selber an die Front reisen um dort sein Leben einzusetzen.
Ich akzeptiere, dass Menschen bereit sind, für das Land zu sterben, aber das von allen jungen Männern in beiden Ländern zu verlangen, entspricht auch nicht meinem Verständnis von Humanismus und Liberalität - man muss Soldaten auf beiden Seiten auch als Flüchtlinge akzeptieren und ihnen bei der Flucht helfen.
Die Ukraine hat in den ersten Tagen und auch bei der ersten Offensive Beeindruckendes geleistet, was sehr viele Beobachter und Experten falsch eingeschätzt haben, aber nach einem Jahr ohne größere Geländegewinne sollte man auch über eine realistische Exit-Strategie nachdenken, die den Fleischwolf stoppt.
Wie sehr die europäische Wirtschaft unter dem Krieg leidet, ist mir persönlich egal, aber man sollte den Menschen auch klar kommunizieren, welchen wichtigen Anteil das billige russische Erdgas am wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands hatte.